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Die Kursbuchstrecke 670 - Betrieb -- Betriebsablauf und Verkehr: Betriebsverfahren bei Streckensperrungen

Streckensperrungen erfordern verschiedene Maßnahmen, abhängig von Grund und Ausmaß der Einschränkungen.

Grundprinzip
Bei Ereignissen, die Streckensperrungen erfordern, wird der Bahnbetrieb zwischen den beiden nächstgelegenen Betriebsstellen eingestellt, die Bahnhöfe sind. Kommt es z.B. in Neidenfels zu einer Störung, dann wird der Streckenabschnitt zwischen Weidenthal und Lambrecht (Pfalz) gesperrt. Hierbei muss selbstverständlich die Gleissituation in den Endpunkten der Sperrung berücksichtigt werden. Sind dort aufgrund planmäßig verkehrender Züge anderer Strecken keine Gleise frei, so wird die Streckensperrung auf "nicht betroffene Bereiche" ausgedehnt. Beispiel: Kommt es zwischen Haßloch (Pfalz) und Schifferstadt zu einer Streckensperrung und in Schifferstadt sind alle Gleise anderweitig belegt, dann wird die Sperrung auf den Abschnitt Haßloch (Pfalz) - Ludwigshafen (Rhein) Hbf ausgedehnt.

Wendende Züge im Regionalverkehr
Da eine Streckensperrung zumeist zwischen zwei Bahnhöfen erfolgt, können Züge dort leicht gewendet werden. Bei normalen Regionalverkehrszügen (d.h. Züge, die keine S-Bahnen sind) gehen die Züge in aller Regel auf ihre eigene oder die korrespondierende Folgeleistung - sofern vorhanden - über. Die korrespondierende Gegenleistung eines Zuges bezeichnet dabei denjenigen Zug 2, der zum selben Zeitpunkt wie Zug 1 in die Gegenrichtung unterwegs ist.
Beispiel aus den Jahresfahrplänen bis Dezember 2014: Bei einer Streckensperrung zwischen Homburg (Saar) Hbf und Landstuhl enden die Züge der Linie RE 60 in Homburg (Saar) Hbf und wenden dann auf die eine Stunde später verkehrende Folgeleistung in die Gegenrichtung oder auf die korrespondierende Gegenleistung in Richtung Saarbrücken.
Wie die Wende abgewickelt wird, muss in einer Einzelfallentscheidung für jeden Zug geprüft werden. Dabei orientiert man sich u.a. an den Verspätungen der Züge sowie dem zur Verfügung stehenden Fahrzeugmaterial. Die vorhandene Infrastruktur (Stichwort "Zurückhaltung und Gleisbelegung") darf ebenfalls nicht vernachlässigt werden.

Vorgehensweise bei endenden Zügen sowie S-Bahnen
Endet ein Zug planmäßig an einem Bahnhof, ab dem die Strecke unterbrochen ist, und hat dieser Zug keine Folgeleistung bzw. eine Folgeleistung, die erst einige Zeit nach der planmäßigen Ankunft am Endbahnhof abfährt, so wird diese Zugeinheit genutzt, um den Betrieb auf den noch befahrbaren Streckenabschnitten aufrecht zu erhalten.
Beispiel: Die Strecke ist zwischen Kaiserslautern Hbf und Einsiedlerhof gesperrt. Somit können S-Bahnen der Linie 1 nur zwischen Homburg (Saar) Hbf und Landstuhl verkehren. Um den Verkehr Richtung Mannheim Hbf weiterhin stabil durchführen zu können, wird die in Kaiserslautern Hbf ankommende S 38232 (S 2) aus Richtung Mannheim Hbf auf die Leistung S 38131 (S 1) disponiert. Die eigentliche Folgeleistung von 38232, S 38243, wird dann von der in Kaiserslautern Hbf außerplanmäßig endenden S 38124 übernommen. Da die Triebzüge aus ihrem eigentlichen Umlaufplan herausgenommen werden, verkehren die Ersatzzüge unter gesonderter Zugnummer. Dies gilt auch für die Züge, die den gekürzten Regelweg befahren.

Vorgehensweise im Fernverkehr
Bei der Disposition der Fernverkehrszüge muss das Ausmaß sowie die voraussichtliche Dauer der Sperrung betrachtet werden. Handelt es sich um eine kurzfristige Sperrung über einen kurzen Zeitraum, so werden die Züge in aller Regel zurückgehalten. Dies geschieht meist auf dem letzten Haltebahnhof des Zuges, nur selten auf freier Strecke oder an kleineren Bahnhöfen, die kein Fahrplanhalt sind.
Bei längeren Sperrungen, z.B. im August 2010 nach dem ICE-Unfall bei Lambrecht (Pfalz), fallen die Züge ab ihrem letzten Verkehrshalt vor der Streckensperrung aus. Im August 2010 endeten die IC-Züge Frankfurt (Main) Hbf/Stuttgart Hbf - Saarbrücken Hbf und Gegenrichtung in Neustadt (Weinstraße) Hbf bzw. Kaiserslautern Hbf.
Von dieser Vorgehensweise ausgenommen sind in aller Regel ICE- und TGV-Züge zwischen Frankfurt (Main) Hbf und Paris Est. Diese werden, sofern dies dispositiv noch möglich ist, bei Vorliegen einer Streckensperrung und noch nicht abschätzbarer Dauer über Strasbourg umgeleitet. Hierdurch entstehen Verspätungen von 20 bis 60 Minuten, was jedoch gegenüber einer Verspätung von 120 oder 180 Minuten bei einer längeren Sperrung noch immer akzeptabel ist. Diese Verfahrensweise ist daher ein gutes Beispiel zur Demonstration der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der deutschen und französischen Eisenbahnverwaltungen.
Eine Besonderheit ergibt sich zwischen Saarbrücken Hbf und Homburg (Saar) Hbf. Fernzüge können hier über Neunkirchen (Saar) Hbf umgeleitet werden und verspäten sich dabei nur um höchstens zehn Minuten. Diese Umleitungsmöglichkeit wird im Falle einer Streckensperrung auf diesem Abschnitt auch häufig genutzt und ist in dieser Form auf der Strecke mittlerweile einzigartig. In der Vergangenheit wurden Züge auch über andere Strecken umgeleitet. Die Regionalzüge der Linie RE 60 werden im Falle einer Sperrung ebenfalls so disponiert, während für die Linie RB 71 die bereits erläuterten Verfahrensweisen angewendet werden.

Vorgehensweise im Güterverkehr
Bei Streckensperrungen werden Güterzüge in aller Regel an geeigneten Stellen zurückgehalten, z.B. an Bahnhöfen oder auch auf freier Strecke. Umleitungen werden nur bei besonders umfangreichen Sperrungen veranlasst, so z.B. im August 2010. Hier wurden alle Güterzüge über Strasbourg bzw. Koblenz - Trier umgeleitet.
Bei Sperrungen zwischen Homburg (Saar) Hbf und Saarbrücken Hbf ober Homburg (Saar) Hbf und Neunkirchen (Saar) Hbf können Güterzüge über die jeweils andere Strecke umgeleitet werden. Allerdings wird hierauf seltener zurückgegriffen, da die Anzahl der umzuleitenden Güterzüge so hoch wäre, dass der planmäßige Verkehr auf den Umleitungsstrecken behindert würde. Man leitet daher nur die wichtigsten Züge um und hält die übrigen zurück.

Zusammenfassung
Die erläuterten Betriebsverfahren bei Streckensperrungen sind in nachfolgender Tabelle noch einmal zusammengefasst.

 
Maßnahmen im
Streckenabschnitt
Fernverkehr
Regionalverkehr
Güterverkehr
Saarbrücken Hbf - St Ingbert

Umleiten über Neunkirchen (Saar) Hbf

  • Umleiten über Neunkirchen (Saar) Hbf
  • Züge nur zwischen Homburg und St Ingbert
Zurückhalten
St Ingbert - Rohrbach (Saar)

Umleiten über Neunkirchen (Saar) Hbf

  • Umleiten über Neunkirchen (Saar) Hbf
  • Züge nur zwischen Homburg und St Ingbert
Zurückhalten
Rohrbach (Saar) - Homburg (Saar) Hbf

Umleiten über Neunkirchen (Saar) Hbf

  • Umleiten über Neunkirchen (Saar) Hbf
  • Züge nur zwischen Homburg und St Ingbert
Zurückhalten
Homburg (Saar) Hbf - Landstuhl Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Homburg bzw. Landstuhl
  • Ersatzverkehre ab Landstuhl
Zurückhalten
Landstuhl - Kindsbach Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Homburg, Landstuhl, Einsiedlerhof oder Kaiserslautern
  • Ersatzverkehre ab Kaiserslautern
Zurückhalten
Landstuhl - Kaiserslautern Hbf Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Homburg, Landstuhl oder Kaiserslautern
  • Ersatzverkehre ab Kaiserslautern
Zurückhalten
Kaiserslautern Hbf - Hochspeyer Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Kaiserslautern oder Hochspeyer
  • Ersatzverkehre ab Hochspeyer
Zurückhalten
Hochspeyer - Weidenthal Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Hochspeyer oder Weidenthal
  • Ersatzverkehre ab Weidenthal
Zurückhalten
Weidenthal - Lambrecht (Pfalz) Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Weidenthal, Lambrecht (Pfalz) oder Neustadt
  • Ersatzverkehre ab Lambrecht (Pfalz) oder Neustadt
Zurückhalten
Lambrecht (Pfalz) - Neustadt (Wstr) Hbf Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Lambrecht oder Neustadt
  • Ersatzverkehre ab Lambrecht bzw. Neustadt
Zurückhalten
Neustadt (Wstr) Hbf - Haßloch (Pfalz) Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Neustadt, Haßloch oder Schifferstadt
  • Ersatzverkehre ab Haßloch oder Schifferstadt
Zurückhalten
Haßloch (Pfalz) - Schifferstadt Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Haßloch oder Schifferstadt
  • Ersatzverkehre ab Schifferstadt

Zurückhalten

Schifferstadt - Ludwigshafen (Rhein) Hbf

Zurückhalten

  • vorzeitig Wenden in Schifferstadt oder Ludwigshafen
  • Ersatzverkehre ab Ludwigshafen
Zurückhalten
Böhl-Iggelheim Abzw - Limburgerhof Abzw
  • Zurückhalten
  • Umleiten über Schifferstadt
  • Umleiten über Schifferstadt
  • Zurückhalten
  • Umleiten über Schifferstadt
Ludwigshafen (Rhein) Hbf - Mannheim Hbf Zurückhalten
  • vorzeitig Wenden in Ludwigshafen oder Mannheim
  • Ersatzverkehre
Zurückhalten

Umleitungen über andere Strecken
Im Kapitel "Umleitungen im Fernverkehr" wurde die Möglichkeit angesprochen, Züge im Falle einer Sperrung des Abschnitts Homburg (Saar) Hbf - St Ingbert über Neunkirchen (Saar) Hbf umzuleiten. Eine ähnliche Möglichkeit besteht heute auch noch, wird allerdins nicht mehr genutzt: Die Umleitung von Fernverkehrszügen ab Mannheim Hbf über Mainz Hbf - Bad Kreuznach - Bad Münster am Stein - Alsenz - (Hochspeyer/Eselsfürth) nach Kaiserslautern Hbf. Einige D-Züge zwischen Frankfurt (Main) Hbf und Paris Est befuhren diese Strecke bis in die 1980er Jahre fahrplanmäßig. Zuletzt mussten 1988 infolge des Unfalls im Heiligenbergtunnel Züge über diese Strecke umgeleitet werden.
Im Gegensatz zur Umleitung über Neunkirchen (Saar) Hbf ist bei Anwendung dieser Vorgehensweise das Um- oder Vorspannen des Zuges erforderlich, da die Umleitungsstrecke nicht elektrifiziert ist. Dies war in den 1960er Jahren zwar geplant, wurde allerdings nicht umgesetzt.
Aufgrund veränderter Strukturen im DB-Konzern sowie die Zuschlagung einzelner Triebfahrzeuge zu verschiedenen Konzernbereichen kann eine kurzfristige Umleitung über diese Strecke in der heutigen Zeit nicht mehr realisiert werden. Weiterhin verhindern Langsamfahrstellen das Ausfahren einer höheren Geschwindigkeit zwischen Bad Münster am Stein und Hochspeyer bzw. Eselsfürth, sodass sich die Vorteile der Umleitungsstrecke und die Nachteile einer möglichen Sperrung zwischen Ludwigshafen und Kaiserslautern relativieren.