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Die Kursbuchstrecke 670 - Betrieb -- Betriebsablauf und Verkehr: Betriebsverfahren bei Umlaufänderungen und Verspätungen

Umlaufänderungen und Verspätungen erfordern verschiedene Maßnahmen.

Verspätungen und Zugausfälle
Im Falle von Verspätungen können Überholungen durchgeführt werden, vgl. Normalbetrieb.
Die auf der Strecke verkehrenden Personenzüge besitzen in ihren Fahrplänen Zeitreserven, die je nach befahrenem Steckenabschnitt und zeitlicher Lage größer oder kleiner ausfallen können.
Insbesondere in den Fahrplänen der S-Bahn-Linien 1 und 2 finden sich größere Zeitreserven. Diese zeigen sich in großzügigeren Standzeiten in Kaiserslautern Hbf, Neustadt (Weinstraße) Hbf oder Mannheim Hbf. So steht S 38127 auf der Fahrt von Homburg (Saar) Hbf nach Osterburken von 14.15 bis 14.33 Uhr in Kaiserslautern Hbf (18 Minuten), von 15.00 Uhr bis 15.05 Uhr (5 Minuten) und von 15.34 bis 15.39 Uhr in Mannheim Hbf (5 Minuten). Im weiteren Fahrtverlauf finden sich noch weitere solche Aufenthalte, z.B. in Heidelberg Hbf. Je nach Linie kommen noch weitere Aufenthalte in Ludwigshafen (Rhein) Hbf hinzu.
Die längeren Standzeiten auf großen Bahnhöfen führen dazu, dass Verspätungen in der Größenordnung von 20 bis 30 Minuten im S-Bahn-Verkehr nur selten auftreten. Verspätungen "verschwinden" durch das längere Stehen auf den größeren Bahnhöfen. Die langen Standzeiten sind jedoch nicht nur in der hierdurch erreichten Verspätungsminimierung begründet, sondern hängen mit dem Taktfahrplan der jeweiligen Linien zusammen. Im Raum Mannheim - Ludwigshafen kommt noch die höhere Zugdichte hinzu.
Eine weitere Vorgehensweise bei großen Verspätungen, die durch Fahrplanreserven nicht mehr aufgeholt werden können, ist das Neueinsetzen einer Einheit in Kaiserslautern Hbf, Neustadt (Weinstraße) Hbf, Ludwigshafen (Rhein) Hbf oder Mannheim Hbf. Fährt ein Zug aus Richtung Homburg mit einer Verspätung von 30 Minuten Richtung Mannheim, so kann in Ludwigshafen (Rhein) Hbf ein Zug bereitgestellt werden, welcher dann wieder pünktlich, aber unter anderer Zugnummer, verkehrt. Der verspätete Zug endet dann in Ludwigshafen (Rhein) Hbf. Dies führt zwar dazu, dass die Reisenden des verspäteten Zuges in Ludwigshafen "stranden", angesichts der hohen Taktrate in diesem Bereich ist dies jedoch zumutbar. Durch den Neueinsatz gerät das Fahrplangefüge nicht durcheinander, sodass andere Züge nicht aufgrund der Verspätung eines Zuges ebenfalls verspätet werden.
Diese Möglichkeit ist jedoch nur bedingt einsetzbar. Insbesondere zur Hauptverkehrszeit kann es vorkommen, dass verspätete Züge ersatzlos ausfallen müssen, da keine Kapazitäten für einen Ersatz frei sind. Am Wochenende und an Feiertagen ist dagegen nahezu rund um die Uhr ein Ersatz möglich, sofern keine Großveranstaltungen die Kapazitäten restlos ausschöpfen.
Die Linien 3 und 4 der S-Bahn Rhein-Neckar besitzen auf der KBS 670 nur Reserven im Bereich weniger Minuten, weshalb eine größere Verspätung auf diesen Linien bei vorhandenen Kapazitäten durch Ersatzzüge kompensiert wird. Gleiches gilt für den RE 4 zwischen Mainz Hbf und Karlsruhe Hbf über Schifferstadt.

Auf der Linie RB 71 zwischen Saarbrücken Hbf und Homburg (Saar) Hbf werden verspätete Züge angesichts mangelnder Kapazitäten nicht ersetzt, sondern verkehren verspätet bis zu ihrer Endstation. Hierdurch verspäten sich ggf. die Folgeleistungen. Dies wird jedoch in Kauf genommen, da durch Standzeiten in Saarbrücken Hbf eine Verspätungsreduktion möglich ist. Grund für diese Vorgehensweise ist die geringere Auslastung der Züge sowie der Strecke selbst.

Für die Linie RE 60 zwischen Saarbrücken Hbf und Kaiserslautern Hbf wird eine andere Vorgehensweise herangezogen. Verspätungen von bis zu 15 Minuten bei Zügen Richtung Kaiserslautern bleiben meist "ohne Folgen", d.h., der verspätete Zug verkehrt bis zu Endstation. Bei Verspätungen größer gleich 20 Minuten werden die Züge meist in Landstuhl auf die Folgeleistung gewendet, bei größerer Verspätung bereits in Homburg (Saar) Hbf. Selten sind Ausfälle ab Saarbrücken Hbf bei Zügen, die aus Richtung Koblenz oder Trier kommen, und weiter nach Kaiserslautern fahren. Bei vorzeitiger Wende wird bei erfahrungsgemäß gut ausgelasteten Zügen bzw. bei Zügen, die an ihren Endstationen wichtige Anschlüsse herstellen sollen, Ersatzzüge ab Kaiserslauern Hbf gefahren. Dies ist jedoch nicht immer möglich und hängt von den vorhandenen Triebfahrzeugkapazitäten ab.
Beispiel: Am 22.02.2012 verkehrte Ersatzzug RE 28498 von Kaiserslautern Hbf nach Landstuhl für den ausgefallenen RE 12160 (Kaiserslautern Hbf ab 18.03 Uhr). RE 28498 wurde dabei gebildet aus der um 17.57 Uhr in Kaiserslautern Hbf eingetroffenen Garnitur der RB 38926 aus Ludwigshafen (Rhein) BASF Nord.
In Richtung Saarbrücken verkehren die Züge meist mit Verspätung bis zur Endstation. Die Folgeleistung wird hierdurch entweder ebenfalls verspätet oder wird mit einem Ersatzfahrzeug gefahren. So meldete der Lokführer des RE 12160 von Kaiserslautern Hbf nach Saarbrücken Hbf am 29.11.2012 kurz nach der Abfahrt in Homburg (Saar) Hbf eine Verspätung von 20 Minuten mit steigender Tendenz aufgrund eines anderen Fahrzeuges sowie einer Stellwerksstörung im Bereich Kindsbach/Landstuhl. Die Folgeleistung ab Saarbrücken Hbf nach St Wendel wäre hierdurch verspätet worden, daher entschied der zuständige Disponent, ein Ersatzfahrzeug bereitzustellen.
Auf den eingleisigen Nebenstrecken nach Pirmasens Hbf, Kusel oder Bad Dürkheim, die die KBS 670 abschnittsweise mitnutzen, verkehren verspätete Züge meist ohne betriebliche Änderungen. Es kommt dann zum "Dominoeffekt", d.h., die Verspätung überträgt sich über mehrere Stunden auf andere Züge. Um wieder im Takt fahren zu können, wird meist ein Zug vorzeitig gewendet oder fällt komplett aus. Treten die Verspätungen am Abend auf, werden meist keine Gegenmaßnahmen getroffen (s.u.).

Im Allgemeinen gilt der Grundsatz, dass verspätete Züge am Morgen eher ausfallen bzw. vorzeitig wenden als am Abend. Dies ist dadurch begründet, dass die Züge am Morgen meist Folgeleistungen haben, auf die sich die Verspätung übertragen würde. Weiterhin wären andere Züge von der Verspätung betroffen. Am Abend ist der Verkehr weniger dicht als am Tag, die Züge haben meist keine oder nur wenige Folgeleistungen. Eine Verspätung in diesem Zeitraum ist daher von geringerer Bedeutung.

Verspätete Fernverkehrszüge verkehren in aller Regel uneingeschränkt. Im Güterverkehr kann es, in Abhängigkeit der Höhe der Verspätung, zu Zugnummernwechseln oder Hinterstellungen auf Bahnhöfen kommen.

Die nachfolgende Tabelle fasst die einzelnen Betriebsverfahren bei Verspätungen noch einmal zusammen (RE 60 K = RE 60 Richtung Kaiserslautern; RE 60 S = RE 60 Richtung Saarbrücken; Neben = Nebenstrecken, die die KBS 670 abschnittsweise mitnutzen).

Linie
Verspätung
Verfahren
S 1/2
0-5
Fahrzeitreserve
5-10
Fahrzeitreserve
10-15
Fahrzeitreserve
15-20
Fahrzeitreserve
20-25
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Kaiserslautern, Neustadt, Ludwigshafen, Mannheim)
25-30
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Kaiserslautern, Neustadt, Ludwigshafen, Mannheim)
> 30
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Kaiserslautern, Neustadt, Ludwigshafen, Mannheim)
S3/4
0-5
Fahrzeitreserve
5-10
keines
10-15
keines
15-20
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
20-25
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
25-30
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
> 30
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
RE 4
0-5
Fahrzeitreserve
 
5-10
keines
 
10-15
keines
 
15-20
keines
 
20-25
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
 
25-30
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
 
> 30
Ersatzzug ab nächstmöglichem Einsatzpunkt (Ludwigshafen, Mannheim)
RE 60 K
0-5
Fahrzeitreserve
5-10
keines
10-15
keines
15-20
vorzeitige Wende in Landstuhl oder Homburg (Saar) Hbf, evtl. Ersatzzug zwischen Kaiserslautern Hbf und Landstuhl/Homburg (Saar) Hbf
20-25
vorzeitige Wende in Landstuhl oder Homburg (Saar) Hbf, evtl. Ersatzzug zwischen Kaiserslautern Hbf und Landstuhl/Homburg (Saar) Hbf
25-30
vorzeitige Wende in Landstuhl oder Homburg (Saar) Hbf, evtl. Ersatzzug zwischen Kaiserslautern Hbf und Landstuhl/Homburg (Saar) Hbf
> 30
vorzeitige Wende in Homburg (Saar) Hbf, evtl. Ersatzzug zwischen Kaiserslautern Hbf und Homburg (Saar) Hbf
RE 60 S
0-5
Fahrzeitreserve
5-10
keines
10-15
keines
15-20
keines; evtl. Ersatzzug für Folgeleistung
20-25
keines; evtl. Ersatzzug für Folgeleistung
25-30
keines; evtl. Ersatzzug für Folgeleistung
> 30
keines; evtl. Ersatzzug für Folgeleistung
RB 71
0-5
keines
5-10
keines
10-15
keines
15-20
keines
20-25
keines
25-30
keines
> 30
keines
Neben
0-5
keines
5-10
keines
10-15
keines
15-20
keines
20-25
evtl. vorzeitige Wende oder Ausfall, um Taktgefüge wiederherzustellen
25-30
evtl. vorzeitige Wende oder Ausfall, um Taktgefüge wiederherzustellen
> 30
evtl. vorzeitige Wende oder Ausfall, um Taktgefüge wiederherzustellen

Ein Vergleich mit der Zeit vor der S-Bahn (vor 2003) zeigt die Vorteile der Fahrplanreserven und teilweise kürzeren Zugläufe: Hohe Verspätungen (> 30 Minuten) sind seltener geworden. Die durchgehenden RE-Züge Trier Hbf - Saarbrücken Hbf - Mannheim Hbf - Karlsruhe Hbf - Offenburg, die bis 2001 verkehrten, wurden meist trotz hoher Verspätung "durchgefahen", da sie an Umläufe Richtung Konstanz bzw. Freiburg gebunden waren und ein Ersatz nicht möglich war. Gleiches gilt für die RB-Züge zwischen Homburg (Saar) Hbf und Stuttgart Hbf (bis 2003). Durch den Einbau größerer Fahrzeitreserven in die Langläufer-S-Bahnen der Linien 1 und 2 sowie der Reduktion der Zugläufe auf den meisten anderen Linien können hohe Verspätungen zumeist vermieden werden.

Änderungen des Umlaufplans: kurzfristiger Zugtausch
Eine weitere betriebliche Möglichkeit, die sich durch den Laufweg der S-Bahn-Linien (1-4) ergibt, ist der Triebfarzeugtausch in Ludwigshafen (Rhein) Hbf. Hierbei wird bei einer Fahrt ein Triebzug gegen einen neuen getauscht. Dies wird zumeist dann praktiziert, wenn der "alte" Zug kilometerbedingt oder aus anderen Gründen (z.B. technischer Defekt) gewartet werden muss. Die Züge halten dabei am Bahnsteig gegenüber, sodass ein schneller Umstieg möglich ist. In aller Regel ist bereits längere Zeit im Voraus bekannt, ob ein Zug getauscht wird, sodass der "neue" Zug bereits bereitsteht, noch bevor der "alte" einfährt. In den S-Bahn-Triebzügen gibt es für den Triebfahrzeugtausch vorgefertigte automatische Ansagen. Von solchen "fliegenden Wechseln" sind auf der KBS 670 nur die S-Bahnen der Linien 1 bis 4 sowie die RE-Linie 4 betroffen; der Tausch findet hier jeweils in Ludwigshafen (Rhein) Hbf statt.
Der Zugtausch wird auch in Saarbrücken praktiziert, allerdings nicht mit Fahrgastbeteiligung. Hier wird für die Folgeleistung eines aus Kaiserslautern kommenden Zuges direkt ein "neuer" Zug bereitgestellt, während der "alte" auf einem anderen Gleis einfährt und dann abgezogen wird.

Im Fernverkehr sind Zugtauschaktionen ebenfalls nicht ungewöhnlich. Seit Einführung der ICE-Verbindungen nach und von Paris treten immer wieder kurzfristige technische Probleme an den Zügen auf, die eine Weiterfahrt verhindern. Hier werden dann auf einem größeren Bahnhof Zug und Fahrgäste getauscht. Es gibt hierfür zwei verschiedene Modi:

  • Tausch zweier fahrplanmäßig verkehrender Züge. Dieses Verfahren wird meist angewendet, wenn kurzfristige Probleme auftreten. Ein Richtung Frankreich fahrender ICE fährt dann nach dem Fahrgastwechsel wieder zurück Richtung Frankfurt (Main) Hbf, während ein aus Richtung Frankreich kommender Zug ebenfalls in die gleiche Richtung zurückfährt. Solche Aktionen finden meist in Saarbrücken Hbf statt, da sich die Züge hier am Bahnsteig fahrplanmäßig gegenüberstehen. Auch in Homburg (Saar) Hbf und Neustadt (Weinstraße) Hbf wurden solche Aktionen bereits durchgeführt; hier halten die Züge dann außerplanmäßig auf den jeweiligen Bahnhöfen.
  • Tausch planmäßig gegen ersatzmäßig. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich bei bereits länger bekannten Problemen, die aber aufgrund eines fehlenden Ersatzzuges nicht behoben werden können. Ein Zug fährt dann mit dem bekannten technischen Defekt in Frankfurt (Main) Hbf los und wird unterwegs gegen einen funktionsfähigen Zug getauscht. Dieser wird z.B. an den Tauschbahnhof überführt oder steht dort bereits nach einer vorherigen Leistung. Der defekte Zug fährt dann wieder zurück Richtung Frankfurt (Main) Hbf, während der funktionsfähige Zug wieder Richtung Paris rollt. Diese Aktionen können an jedem beliebigen Bahnhof der Strecke durchgeführt werden, der hierfür kapazitiv geeignet ist.
An der Strecke wurden bereits in Saarbrücken Hbf, St Ingbert, Homburg (Saar) Hbf, Kaiserslautern Hbf, Neustadt (Weinstraße) Hbf und Mannheim Hbf solche Aktionen durchgeführt. 2008 kam es bei einem solchen Vorgang in St Ingbert zu mehreren Verletzten, da die Bahnsteige dort für die Anzahl der Reisenden nicht ausgelegt und zu schmal sind. Seitdem werden diese Vorgänge nur noch auf Bahnhöfen mit größeren Bahnsteigen durchgeführt.