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Die Kursbuchstrecke 670 - Leit- und Sicherungstechnik -- Sicherungstechnischer Aufbau

Entlang der Strecke finden sich verschiedene Stellwerke mit verschiedenen Signalsystemen. Die dazugehörigen Stellwerke steuern und überwachen den Zugverkehr in unterschiedlich großen Streckenabschnitten.
Dabei veränderte sich die Struktur der einzelnen Stellbezirke über die Jahre hinweg. Zu Beginn der 1960er Jahre existierte für jeden Bahnhof gleich welcher Größe ein eigenes Stellwerk, welches nur die Anlagen vor Ort regelte und überwachte. Mit dem technischen Fortschritt einher ging die Vergrößerung der einzelnen Stellbereiche, kleinere Stellwerke wurden stillgelegt, größere und modernere Anlagen an ihrer Stelle errichtet. Seit 1998 ist auf der Strecke auch die derzeit modernste zugelassene Sicherungstechnik etabliert, das elektronische Stellwerk (ESTW). Seit 2007 werden große Streckenabschnitte durch mehrere elektronische Stellwerke überwacht.
Die elektronischen Stellwerke entlang der Strecke werden derzeit alle aus der Betriebszentrale (BZ) Karlsruhe gesteuert. Die Betriebszentrale selbst wird in einzelne Unterzentralen (UZ) unterteilt. Diese stellt die zentrale Stelleinheit eines elektronischen Stellwerks dar. Der Fahrdienstleiter in der Betriebszentrale steuert die Unterzentrale fern. Im Sprach- und Schriftgebrauch werden die Begriffe zum Teil äquivalent benutzt, auch wenn dies fachlich nicht völlig korrekt ist. Das ESTW Saarbrücken kann somit mit der UZ Saarbrücken gleichgesetzt werden.
Jede Unterzentrale steuert einen Streckenabschnitt oder einen Bahnhof über die als ESTW-A bezeichneten Außenanlagen. Diese enthalten die für die Steuerung der Signale und Weichen (Fahrwegelemente) notwendigen Bereichsstellrechner (BSTR) und, im Falle der Steuerung eines älteren Drucktastenstellwerks durch ein ESTW, auch die Bereichsanpassrechner (BAPR). Über das ESTW-A werden also im letzten Steuerungsschritt die Befehle an die Fahrwegelemente übermittelt. Hier findet dementsprechend auch die Fahrwegprüfung statt.
Gleichzeitig sind an die Unterzentralen Notbedienplätze angeschlossen. Über diese kann der Stellbezirk im Störungsfall (s.u.) weiter überwacht werden.

Die nachfolgende Grafik zeigt die sicherungstechnische Struktur der Strecke. Dargestellt sind die einzelnen Unterzentralen mit ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen. Weiterhin sind auch die derzeit noch vier vor Ort besetzten alten Drucktastenstellwerke enthalten. Beim Klick auf die Darstellung kann eine größere Version mit weiteren Erläuterungen im pdf-Format geöffnet werden.



ESTWe Homburg (Saar) und Saarbrücken
Die ersten elektronischen Stellwerke gingen in Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre in Betrieb. Häufig handelte es sich dabei um Neubauten entlang der in dieser Zeit neu errichteten Schnellfahrstrecken. Die KBS 670 war bis Mitte 1998 noch durchgehend mit alter Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Dies umfasst Formsignale gleichermaßen wie die zu Spurplanstellwerken gehörenden Lichtsignale.
Als erste Anlagen wurden 1998 das Fahrdienstleiterstellwerk "Hf" in Homburg (Saar) Hbf, zuständig ausschließlich für den Bahnhof, sowie die Betriebssteuerzentrale Saarbrücken, zuständig für die Streckenabschnitte Scheidt (Saar) - Homburg (Saar) Hbf und Homburg (Saar) Hbf - Hauptstuhl, durch ein elektronisches Stellwerk der Firma Arcor ersetzt, welches als ESTW Homburg (Saar) bezeichnet wird. Erhalten blieb lediglich das mechanische Stellwerk "R1", welches bereits bei Inbetriebnahme des Stellwerks Hf 1960 erhalten blieb. Von R1 aus werden Weichen im hinteren Bahnhofsbereich gesteuert, die zum Zusammenstellen neuer Züge dienen. Bei diesen handelt es sich im Wesentlichen um solche aus Wagen zu oder von dem in Homburg (Saar) ansässigen Metallverarbeitungsunternehmen SRP sowie zu den in den Industriegebieten West und Ost ansässigen Unternehmen.
Dieses Stellwerk befand sich zwischen 1998 und 2003 im Bahnhofsgebäude Saarbrücken unterhalb des für den Hauptbahnhof und anschließende Streckenabschnitte zuständigen Gleisbildstellwerks. Zum 31. März 2003 wurde dieses außer Betrieb genommen. Die Kontrolle der bisher von Saarbrücken Hbf aus überwachten Gleisanlagen (Saarbrücken Hbf, Saarbrücken Ost und Schafbrücke) ging damit zum ESTW Saarbrücken über. Dieses Stellwerk befand sich, anders als das ESTW Homburg (Saar), vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme an in der Betriebszentrale Karlsruhe. Mit Inbetriebnahme des ESTW Saarbrücken wurden die Bedienplätze des ESTW Homburg (Saar) ebenfalls nach Karlsruhe verlegt. Vor Ort in Saarbrücken Hbf blieben lediglich Notbedienplätze. Diese wurden ebenfalls mit Inbetriebnahme des ESTW Homburg (Saar) auch in Homburg (Saar) Hbf eingerichtet und befinden sich noch heute (2013) dort.
Die Inbetriebnahme des ESTW Saarbrücken war mit erheblichen Behinderungen im Eisenbahnverkehr verbunden. Der Güterverkehr war dabei genauso betroffen wie der Regional- und Fernverkehr. Trotz umfangreicher Informationsmaßnahmen und langfristig vorher angekündigter Zugausfälle waren viele Fahrgäste von den Störungen betroffen. Während mit der Umschaltung der Steuerung des ESTW Homburg (Saar) nach Karlsruhe nur geringe Probleme auftraten, gestaltete sich vor allem die erstmalige Inbetriebnahme des ESTW Saarbrücken in der Nacht vom 30. auf den 31. März 2003 schwierig. Dies führte zu den bereits angesprochenen Behinderungen, Verspätungen und Zugausfällen. Vorfälle gleicher Art bei der Inbetriebnahme weiterer elektronischer Stellwerke in den Folgejahren in anderen Regionen Deutschlands führten dazu, dass erstmalige Inbetriebnahmen zur Zeit nur noch unter Vollsperrung oder unter starken Betriebseinschränkungen zu verkehrsarmer Zeit, z.B. am Wochenende oder über Feiertage hinweg, durchgeführt werden. Die Inbetriebnahme des ESTW Saarbrücken erfolgte von Sonntag auf Montag.

ESTW Neustadt (Weinstraße)
Bereits weniger als ein Jahr nach Inbetriebnahme des ESTW Homburg (Saar) 1998 ging 1999 das ESTW Neustadt (Weinstraße) in Betrieb. Die Betriebsaufnahme erfolgte hier in zwei Stufen.
  • Baustufe 1: Streckenabschnitt Frankenstein (Pfalz) - Neustadt-Böbig
    Im Mai 1999 gingen die Formsignale in Neustadt (Weinstraße) Hbf und dem dazugehörigen Bahnhofsteil Böbig außer Betrieb. Damit verloren auch das markante Stellwerk Nf sowie weitere Wärterstellwerke ihre Funktion. Mit der Inbetriebnahme einher ging weiterhin die Aufhebung der Ortsbesetzung der Bahnhöfe Lambrecht (Pfalz), Weidenthal und Frankenstein (Pfalz). Diese Bahhöfe waren bis zur Aufhebung der Ortsbesetzung mit Lichtsignalen ausgestattet.
    Weiterhin wurde die Verbindungskurve Landau (Pfalz) Hbf - Neustadt-Böbig zurückgebaut und de-elektrifiziert. Fahrten aus Richtung Landau (Pfalz) Hbf nach Neustadt-Böbig und weiter sind fortan nur noch über Neustadt (Weinstraße) Hbf mit Kopfmachen möglich.
    Der gesamte Rangierbahnhof Neustadt (Weinstraße) im Bahnhofsteil Böbig verliert seine Funktion, bis auf sechs Gleise ist dieser Bereich nur noch ein einfacher Rangierbereich mit Handweichenkontrolle. Auch der Ablaufberg im Bahnhofsteil Böbig ist fortan nur noch Teil des Rangierbereichs Böbig.

  • Baustufe 2: Streckenabschnitt Neustadt (Weinstraße)-Böbig - Böhl-Iggelheim sowie Böhl-Iggelheim - Limburgerhof (Schifferstädter Umfahrung)
    Als vorbereitende Maßnahmen zur Inbetriebnahme der Umfahrung Schifferstadt 2003 wurde im Juni 2001 die zweite Baustufe des ESTW Neustadt (Weinstraße) realisiert. Hierbei wurde die Ortsbesetzung in Haßloch (Pfalz) aufgehoben, ebenso wurden die Formsignale in diesem Bahnhof durch Ks-Signale ersetzt. Weiterhin verlor Schifferstadt die Fernsteuerung der Stellwerke Böhl-Iggelheim sowie Limburgerhof. Schifferstadt selbst wurde nicht an das ESTW angebunden, da ein Ersatz des Stellwerks aufgrund des verhältnismäßig geringen Betriebsalters der Anlage zu diesem Zeitpunkt betriebswirtschaftlich nicht gerechtfertigt war.
Ähnlich wie das ESTW Homburg (Saar) befanden sich die Fahrdienstleiterarbeitsplätze des ESTWs Neustadt (Weinstraße) nach Inbetriebnahme der beiden Baustufen nicht in der Betriebszentrale Karlsruhe, sondern in einem Gebäude in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes Neustadt (Weinstraße). Von dort aus wurden anfänglich alle Anlagen beider Baustufen überwacht und gesteuert. Erst im Dezember 2006 wurden die Arbeitsplätze in die BZ Karlsruhe verlegt. Das Stellwerksgebäude in Neustadt (Weinstraße) beherbergt seitdem nur noch die Fahrdienstleiterarbeitsplätze des ESTWs Rheinpfalz. Dieses steuert u.a. die Strecken Kaiserslautern Hbf - Lauterecken-Grumbach sowie Neustadt (Weinstraße) Hbf - Grünstadt.

ESTW Einsiedlerhof
Das vorerst letzte elektronische Stellwerk an der Strecke stellt dasjenige in Einsiedlerhof dar. Dieses ersetzte 2002 die letzten noch in Betrieb befindlichen Formsignale entlang der Strecke. Im Gegensatz zu den beiden anderen ESTWen befanden sich die Fahrdienstleiterarbeitsplätze direkt nach Inbetriebnahme bereits in der BZ Karlsruhe. Das neue elektronische Stellwerk ersetzte sieben mechanische Fahrdienstleiterstellwerke.
Mit Inbetriebnahme des ESTWs einher gingen umfangreiche Rück- und Umbaumaßnahmen der Gleisanlagen. So entfiel der Ausfahrbereich Einsiedlerhof Ost/Vogelweh komplett, der Einfahrbereich wurde verkleinert. Gleichzeitig wurde der Rangierbereich auf EOW-Betrieb umgestellt, was eine schnellere und einfachere Abwicklung des Rangierbetriebs ermöglicht. Vereinfacht ausgedrückt muss nicht bei jeder Rangierbewegung der Fahrdienstleiter beteiligt werden. Weitere Informationen diesbezüglich finden sich im Artikel Die Betriebsstelle Einsiedlerhof.

Stellwerke Landstuhl und Hochspeyer
Eine besondere Situation stellt sich bei den Fahrdienstleiterstellwerken in Landstuhl mit dem ferngestellten Bahnhof Kindsbach und Hochspeyer dar. Aufgrund des verhältnismääßig jungen Alters dieser Anlagen (Inbetriebnahme des Stellwerks Landstuhl war 1975, in Hochspeyer leuchteten ab den 1970er Jahren Lichtsignale) wurden diese nicht in die ESTWe Einsiedlerhof (Landstuhl) bzw. Neustadt (Weinstraße) (Hochspeyer) integriert, sondern blieben zunächst noch örtlich besetzt.
Einhergehend mit Weichenrückbauten im Bahnhof Landstuhl 2005 ging im Juni 2006 die Steuerung des Stellwerks Landstuhl in die Betriebszentrale Karlsruhe über. Dabei blieben Signale und Weichen sowie die Stellwerksanlagen vollständig erhalten. Für die Kontrolle des Relaisstellwerks über eine elektronische Schnittstelle entwickelte die Thales eine elegante Lösung: Über einen Anpassrechner, kurz BAPR genannt, werden die elektronisch ankommenden Stellbefehle in ein für die elektrischen Relais verarbeitbares Signal umgewandelt. Die Ausleuchtung auf dem Stelltisch in Landstuhl dient dabei dem BAPR als Maßgabe für die besetzten bzw. freien Gleisabschnitte sowie die Stellung der Signale und Weichen; sie wird in die BZ Karlsruhe übermittelt und dem Fahrdienstleiter dort angezeigt. Der für das Stellwerk Landstuhl zuständige BAPR hat seinen Platz im Gebäude der ESTW-Außenanlage Einsiedlerhof.
Analog zu Landstuhl wurde zum 30. April 2007 auch in Hochspeyer die ESTW-Steuerung des dortigen Gleisbildstellwerks in Betrieb genommen und dem ESTW Neustadt (Weinstraße) zugeteilt. Die Funktionsweise ist analog zu Landstuhl. Weiterhin werden durch die BAPR-Lösung in Hochspeyer auch die Blocksignale zwischen Kaiserslautern Hbf und Hochspeyer überwacht; bis zum 29. April 2007 oblag dies noch dem Stellwerk Kf in Kaiserslautern Hbf. Für den Übergang der Steuerung in die BZ Karlsruhe wurden alle alten H/V-Signale in diesem Streckenabschnitt durch neuere Kompaktsignale ersetzt.

Stellbezirke, Fahrdienstleiter und Streckendisposition: Übersicht über die einzelnen Überwachungsebenen
Die nachfolgende Grafik zeigt die Zuständigkeiten der einzelnen Fahrdienstleiter bezogen auf die Betriebsstellen der Strecke.



Die in der Grafik dargestellten Zusammenhänge gelten für den Tagbetrieb an Werktagen. In der Nacht sowie zum Teil an Feiertagen und am Wochenende werden die Fahrdienstleiter zusammengelegt. In der Tabelle nicht aufgelistete Stellbezirke bleiben unverändert.

Fdl tags
Fdl nachts
Homburg West
Homburg
Homburg Ost
Einsiedlerhof West
Homburg
Einsiedlerhof Ost

Die Streckendisponenten (Zugüberwachung) disponieren die Züge im Hinblick auf Pünktlichkeit und Effizienz. So entscheidet der Streckendisponent, welche Züge von welchen Zügen überholt werden oder auf Anschlüsse warten.
Für die KBS 670 gibt es zwei Streckendisponenten. Der erste ist zuständig für den Abschnitt zwischen Saarbrücken Hbf und Kaiserslautern Hbf, während der zweite den Abschnitt zwischen Kaiserslautern Hbf und Mannheim Hbf überwacht. An Wochenenden, allgemeinen Feiertagen sowie nachts kontrolliert ein Disponent die gesamte Strecke. Die Disponenten greifen auch in den Verkehr der ortsbesetzten Stellwerke ein.

Die Technik der eingesetzten elektronischen Stellwerke
Entlang der Strecke werden elektronische Stellwerke des Herstellers Thales (vormals SEL) genutzt.
Die allgemeine Struktur des für die Strecke zuständigen ESTW wurde bereits im einführenden Text angesprochen. Die Befehle aus Karlsruhe werden über zwei Leitungen an die Unterzentrale übermittelt. Eine der zwei Leitungen ist dabei im Normalbetrieb "offline", d.h., sie wird nicht genutzt. Nur im Störungsfall, d.h. bei Ausfall der Hauptleitung, übernimmt die Reserveleitung. Dies geschieht automatisch, wird dem Fahrdienstleiter jedoch gemeldet. Dieser meldet den Schaden weiter an die zuständige Entstörungsstelle. Der hierfür zuständige Mitarbeiter sitzt ebenfalls in der BZ Karlsruhe, sodass hier kurze Kommunikationswege möglich sind.
Fallen beide Leitungen aus, so kann der Stellbezirk noch durch den Notbedienplatz in der UZ überwacht werden. Der Zugbetrieb kann hier uneingeschränkt weiterlaufen; über den Notbedienplatz können die gleichen Kommandos eingegeben werden wie über den Fahrdienstleiterplatz in der BZ. Seit auf der Strecke die ESTW-Technik eingesetzt wird, musste auf dieses Verfahren erst dreimal zurückgegriffen werden.